titel 1024Im Januar 2000 stellte Heinke Blank nach mühevoller Arbeit ihr Buch "Puls - Ein Dorf mit Vergangenheit" vor.

Damals stand in der Zeitung: Puls - Ein Dorf mit Vergangenheit  

Nach über 20 Jahren liegt nun das Buch in digitaler Form vor. Alle Bilder und Texte wurden komplett  übernommen. Einige Bilder wurden ergänzt.

Einzelne Beiträge lassen sich daraus drucken. Und was in der gedruckten Form nicht möglich war, wir können diese Chronik um weitere „neue“ und „alte“ Bilder und Geschichten erweitern. Wer also noch Fotos hat oder etwas zu erzählen weiß, darf es uns gerne zukommen lassen. Entweder persönlich oder per Mail an webmaster(at)gemeinde-puls.com

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei Heinke bedanken. Für die Mühe und für ihr Einverständnis der digitalen Umsetzung.

 

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Vorwort 6
In der Jungsteinzeit: Ackerbau und Sesshaftigkeit 7
Der geschichtliche Rahmen 9
Die Heerwege durch den Holstengau und das System fränkischer und spätsächsischer Wehranlagen nach dem Stand von 1939 12
Die Bevölkerungsdichte und die Besatzungsstärke der Burgen 15
Mittelpunkt des Großkirchspiels Schenefel 19
Vom 16. bis 18. Jahrhundert: Wirtschaftsblüte und Kriegselend 23
1800 - 1850: Agrarreform - Staatsbankrott - Freiheitskampf 26
Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Neuer Lebenszuschnitt 31
Landschaftsplan der Gemeinde Puls 35
Wie alt ist Puls? 35
Aus dem Heimatbuch Kreis Rendsburg 37
Aus der Topographie des Herzogtums Holstein 40
Beschreibung des Ortsbildes 40
Ein Bauerndorf mit alter Tradition 41
Sandwege bereiten noch Sorgen 43
Vertrag über einen Landtausch 45
Aus der Abgabeliste für Steuern von 1585 48
Hans Albers beim Säubern des Löschteichs 49
Straßenbau 1951/52 50
Straßenbau 1959 51
Die Brücke nach Seefeld 52
Die Erhebung 1848 53
Der 1.Weltkrieg 53
Das Backhaus 54
Die Räucherkaten 54
Der „Burstock” und die erste Zeitung 55
Die Doppeleiche auf dem Schulhof 55
Der Nachtwächter 56
Die Hoffnung 56
Kreisbahn Rosa Schmalspurromantik 57
Kies aus Puls war sehr gefragt 61
Pulser Einheit - Windmühle und Bahnhof 62
Das Ehrenmal 64
Der 2. Weltkrieg 66
Die Währungsreform 67
Die Einwohnerzahlen von Puls 68
Bürgermeister und Schulleiter 68
Extreme Witterungen 71
Handwerk, Geschäfte, Dorfleben 72
Reit- und Fahrverein 83
Das traditionelle Ringreiten 83
Ringreiterverein 87
Die Schule in Puls 88
50 Jahre Schulhaus Puls 99
Das Kinderfest 103
„Vogelscheeten" Ein Gedicht von Auguste Greve 110
Die Feuerwehr 111
Feuerwehrfest in Puls 112
Der Sportverein 114
Fall der Linde 126
Gasthof „Zur Linde" 127
„Ferienhof Puls” 131
Die Poststelle 132
Die Landsparkasse 134
Spar- und Darlehnskasse 135
Die Gefrieranlage 137
Das Maifeuer 137
Das lsboßeln 138
„Puls“ Ein Gedicht von Auguste Greve 138
Die Meierei 139
Straßenkarte von Puls 143
Das Erntedankfest 143
Nachtrag 144
Schlusswort 144
Königs-Geliebte Wiebeke Kruse kam aus Puls
Die Kleinbahn Rosa
 

Vorwort

Ursprünglich wollte ich nur etwas über die Kinderfeste in Puls schreiben, aber jetzt sitze ich schon über ein Jahr daran, und ich erfahre immer mehr interessante Geschichten und Begebenheiten über das Dorf und seine Bewohner. Also schreibe ich alles auf was ich in Erfahrung bringen kann.

In der Jungsteinzeit: Ackerbau und Sesshaftigkeit

In der jüngeren Steinzeit (3000-1500 v. Chr.), und zwar in ihrem älteren und mittleren Abschnitt, treffen wir auf menschliche Spuren.

Es sind Großsteingräber, die sogenannten Megalithgräber, die überwiegend auf den Geschiebelehmflächen und auf der Altmoräne zu finden sind. Die ersten sesshaften Ackerbauern, welche im Sippenverband wirtschafteten, dokumentierten durch mächtige Steinanlagen für ihre Toten ihre Bodenständigkeit. Denn ganze Generationen der Familienverbände fanden im Laufe der Zeit in einer solchen Anlage die ewige Ruhe.

Der geschichtliche Rahmen

Die nachfolgenden Berichte über die Besiedelung und das Urkirchspiel im Holstengau wurde aus dem „Schenefelder Heft 1", hrsg. von B. G. Weilbach im Jahre 1963, entnommen

Eine der wichtigsten Aufgaben der Archäologie ist die Erforschung der vor und frühgeschichtlichen Burgen und Befestigungsanlagen aller Art. Der 1944 verstorbene Altmeister der deutschen Burgenforschung, Carl Schuchhardt, hat das einmal folgendermaßen begründet: „Die beweglichen Altertümer, Töpfe, Waffen, Geräte und Schmuck, enthüllen uns die Kultur des Volkes und lassen uns auch die Abgrenzung gegen andere Völker erkennen; die Häuser, Gräber, die alte Überlieferungen festzustellen pflegen, können uns sogar an die Wurzeln des Volkes führen; aber das einzige politische Element, das, was uns zeigt, wer Herr im Lande war, gegen welchen Feind man sich sichern musste und wie diese Verhältnisse wechselten und sich verschoben, - sind die Burgen. Es kann sein, dass ein Land keine Burgen hatte; dann war tiefer Frieden, nicht bloß nach außen hin, sondern auch unter den Volksklassen im Innern. Nachher aber wuchsen große Burgen auf, gauweise, als Zentralpunkte der Verwaltung und Mobilmachung. Gegen die Grenzen des Landes werden sie dichter gereiht. Sie sind stark gebaut und waren für harte Kämpfe bestimmt. Aber auf einen Schlag hört ihrer aller Benutzung auf. Ganz andersartige Befestigungen treten in Menge an ihre Stelle, und was man in ihnen findet, ist fremdes Gut. Die großen Volks- und Gauburgen sind vom Feinde bewältigt, und der Feind hat sich zum Herrn des Landes gemacht." Die allgemein gehaltene Formulierung ist so treffsicher, dass man sie fast wortwörtlich auf schleswig-holsteinische Verhältnisse übertragen und beinahe als Zusammenfassung der Ergebnisse an den Schluss der nachfolgenden Ausführungen, die sich mit der zeitlichen Bestimmung und der Bedeutung der Wehranlagen im alten sächsischen Holstengau auseinandersetzen, stellen könnte.

Die Heerwege durch den Holstengau und das System fränkischer und spätsächsischer Wehranlagen nach dem Stand von 1939

Sieben Jahre nach Erscheinen des Buches „Urholstein” erfuhr von archäologischer Seite her der ganze Kaaksburgkomplex eine neue Beleuchtung, nachdem schon vorher die Datierungen Hofmeisters einer Revision unterzogen worden waren, wonach die Funde hauptsächlich dem 9. und 10. Jahrhundert zugewiesen wurden. Im Rahmen der archäologischen Landesaufnahme für den Kreis Steinburg hatte Professor K. Kersten die durch das alte Gaugebiet zwischen Eider und Stör führenden Wegesysteme erforscht und wahrscheinlich gemacht, dass mehrere der mittelalterlichen Ochsenwege bis in früh- und vorgeschichtliche Zeiten zurückreichen.

Die Bevölkerungsdichte und die Besatzungsstärke der Burgen

Gesellschaftsordnung und Verfassung, von der Burgenforschung her beleuchtet

Aus der Fundmenge in der Kaaksburg darf erschlossen werden, dass sie häufiger von einer größeren Anzahl von Menschen aufgesucht wurde. Bei dem permanenten Kriegszustand, der im 9. und frühen 10. Jahrhundert herrschte, wird zumindest eine Wachmannschaft in den Wällen gelegen haben, um sie in einem verteidigungsfähigen Zustand zu halten. Unentschieden bleibt auch, ob der Burgherr selbst dauernd in der Burg saß oder in Analogie zum südelbischen Gebiet seinen in der Nähe gelegenen Hof bewirtschaftete. Es ist kaum vorstellbar, dass die gesamte Bevölkerung bei drohender Gefahr Platz in den Burgen fand. Um zu der Frage Stellung zu nehmen, müsste man irgendwelche konkreten Angaben von der Bevölkerungszahl des Holstengaues haben. Dazu soll nun eine grobe Schätzung verhelfen, der wir das Gaugebiet zwischen Stör und Eider mit einer gedachten östlichen Begrenzungslinie zugrunde legen, die von Bad Bramstedt schnurgerade über Borgdorf/Seedorf bis nach Norden an die Eider reicht. lm Westen halten wir uns an die historische Grenze gegen Dithmarschen. Diese Fläche beträgt etwa 1500 Quadratkilometer. Unter Berücksichtigung der Rammschen Ergebnisse, wonach der Holstengau sehr waldreich und in den Niederungen ohnehin unbesiedelbar war und ferner eingedenk der verlustreichen Kämpfe um 800 sowie der Deportationen durch die Franken, von denen auch Nordalbingien betroffen worden war, gehen wir von einer durchschnittlichen Kopfzahl von drei Menschen auf den Quadratkilometer aus. Danach müssten 4500 Menschen im Gau gelebt haben.

Mittelpunkt des Großkirchspiels Schenefeld

Um 1030, vielleicht auch dreißig Jahre später - wir wissen es nicht genau – ging die karolingische Basilika in Flammen auf. Sie war das Opfer einer der vielen Plünderungszüge geworden, die die in Wagrien wohnenden Slawen nach Holstein unternahmen. Bis nach Itzehoe und Burg in Dithmarschen waren sie vorgedrungen, mit Raub und Brand das Land verheerend. Die Zeit, da Karl der Große mit starker Hand das Gebiet nördlich der Elbe schirmte, war längst vorbei. Das zerfallene Karolingerreich sah sich außerstande, der bedrohten Nordgrenze zu Hilfe zu kommen. Im Jahre 845 wurde Hamburg, der Bischofssitz des heiligen Ansgar, zerstört. So mussten die Nordelbinger fortan in der Abwehr der Dänen und Slawen sich auf ihre eigene Kraft und Wachsamkeit verlassen. Tapfer hielten sie sich aufrecht und wahrten ihr Volkstum.

Vom 16. bis 18. Jahrhundert: Wirtschaftsblüte und Kriegselend

Johann Rantzaus Sohn war Heinrich Rantzau, Ritter auf Breitenburg und königlicher Statthalter in Schleswig-Holstein (1526-1598). Er war sehr reich. 400 000 Taler Mitgift brachte ihm seine Gemahlin zu. Mit seinem Kapital betrieb er Bankgeschäfte, lieh Gelder an die Königin von England und unterhielt Verbindungen mit dem Bankhaus der Medici in Florenz, wohin er Getreideschiffe sandte. Anderes Kapital arbeitete in seinen Kupfer-, Papiermühlen und ähnlichen Unternehmungen. Aus seinen Einkünften erwarb er Grund und Boden, kaufte das Stammschloss Rantzau in Ostholstein und - was unsere Gegend angeht - verschönerte er das Schloss Mehlbek, das sein Vater 1526 erworben hatte. Er schmückte das Herrenhaus im Stil der von Italien über Holland eingedrungenen Renaissance. Aus dem Zimmer seiner berühmten Bibliothek auf Breitenburg ging seine Korrespondenz an die bedeutenden Geister der Zeit.

1800 - 1850: Agrarreform - Staatsbankrott - Freiheitskampf

Die Schenefelder Bauern waren sich im Jahre 1801 einig, die Feldgemeirıschaft aufzuheben. Zugleich bestimmten sie auf der Versammlung, dem Buerlag, eine Flurbereinigung durchzuführen und das bisher gemeinsam genutzte Ödland am Rande der Feldmark aufzuteilen. Sie bestellten den Landmesser Chr. Jargstorf aus Kellinghusen und beauftragten ihn, die Gemarkung Schenefeld zu vermessen und aufzuzeichnen. Damit wurden zunächst die Größe und Bodengüte der Ländereien ermittelt. Nach Maßgabe dieser Werte erhielt der Bauer statt der zerstreut liegenden, handtuchartigen Ackerstreifen geschlossene Felder von regelmäßiger, meist länglicher Form, sog. Koppeln, als eigen zugewiesen (der Name kommt daher, dass man die alten Besitzanteile „verkoppelte”). Sie hatten den Vorteil, dass sie günstiger zu bearbeiten waren und der einzelne auf ihnen nach Gutdünken und Herzenslust wirtschaften konnte, was vorher bei Bestehen der Feldgemeinschaft wegen der Abhängigkeit von Nachbars Feldbestellung nicht möglich war (Flurzwang).

Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Neuer Lebenszuschnitt

Schenefelder Patrioten hatten sich 1864 am nördlichen Ortsausgang, wo die „Richterkuhle” liegt, eingefunden, um den Erbherzog Friedrich von Augustenburg zu begrüßen. Seitdem die Preußen und Österreicher gemeinsam 1864 die Dänen aus Schleswig-Holstein vertrieben hatten, schien es, dass unter der Regierung des Herzogs die Einheit und Selbständigkeit der Herzogtümer wieder aufleben würde.

Landschaftsplan der Gemeinde Puls

Die Zitate wurden dem Landschaftsplan vom 23. Februar 1996 entnommen.

Der Ortsname Puls wurde erstmals im 7./8. Jahrhundert als damalige Ansiedlung mit Feldmark erwähnt.

Siedlungsbereiche und mehrere Hügelgräber lassen auf eine frühere Besiedlung schließen. Die Entwicklung des Ortes wurde durch die Lage an kreuzenden Handelswegen zum Markt nach Schenefeld begünstigt.

lm 9. Jahrhundert drangen Franken, Wenden und dänische Wikinger in den von Sachsen besiedelten Steinburger Raum ein. lm 30jährigen Krieg kam es dort zu Kämpfen zwischen den Schweden und Dänen. Die Entwicklung war rückläufig.

Während sich Orte an schiffbaren Flüssen, wie z.B. Wilster, Krempe, Glückstadt und auch Itzehoe, entwickelten, waren Großteile der östlichen Geest mit Moor, Heide und Wald bedeckt.

Eine Landwirtschaft entwickelte sich im 17./ 18. Jahrhundert. Sie wurde im Steinburger Raum auf Gütern, aber auch durch Pacht- und Einzelbauern betrieben.

lm 18. Jahrhundert fand eine Agrarreform statt. Güter wurden aufgelöst und die Flächen an Einzelbauern zur Bewirtschaftung übergeben.

Im 19. und 20. Jahrhundert hat sich Puls zu einem typischen Bauerndorf einschließlich dazugehöriger Handwerksbetriebe entwickelt. Diese Entwicklung ist jedoch rückläufig.

2015 hat Puls ca. 600 Einwohner. Es gibt landwirtschaftliche Familienbetriebe. Des weiteren gab es einen ortsansässigen Baubetrieb mit ca. 40 Beschäftigten. Ca. 50% der Erwerbstätigen sind Pendler, die täglich zur Arbeit Richtung Kreisstadt Itzehoe fahren.

So entwickelt sich der Ort Puls neben seiner Funktion als Standort für landwirtschaftliche Betriebe immer mehr zu einem reinen Wohnort.


 

Wie alt ist Puls?

Wann Puls gegründet wurde, hat nie jemand in die von mir durchgesehenen Bücher niedergeschrieben, aber hier einige Aufzeichnungen vom Lehrer, oder aus der Zeitung.

Mitte Juni 1950 schrieb der Lehrer:

Die Schülerin Erika Ramm überbrachte der Schule eine wunderbar erhaltene Speerspitze aus der jüngeren Steinzeit. Das Mädchen fand das Stück beim Rübenpflanzen auf dem Fiert (Koppel am Weg nach den Dieken).

Bei dieser Gelegenheit mag nachträglich erwähnt werden, dass kurz vor dem Kriege in der Wulffschen Kiesgrube am südwestlichen Rande des Dorfes von einem Arbeiter dort ein durchbohrtes Steinbeil aus Grünstein gefunden und der Schule als Besitz zur Verfügung gestellt wurde.

Aus dem Heimatbuch Kreis Rendsburg

Die folgende Beschreibung wurde dem Heimatbuch aus dem Jahre 1922 entnommen.

Puls, 1576 Polse, 1602 Pulße.

Puls ist ein mittelgroßes Dorf von annähernd 450 Bewohnern. Es liegt auf dem Höhenzuge, der von Nortorf über Hohenwestedt durch den südlichen Teil des Kreises Rendsburg nach Dithmarschen geht und die Wasserscheide zwischen Eider und Stör bildet. Der größte Teil der Feldmark des Dorfes gehört zum Flussgebiet der Eider, der kleinere zum Gebiet der Stör. Der Name des Dorfes wurde früher „Polße” geschrieben. Auf einer Tafel in der Kirche zu Schenefeld wird ein Reimer Offe aus „Polße" genannt; ein Teil der Feldmark heißt jetzt noch „Pulso”.

Aus der Topographie des Herzogtums Holstein

Ausschnitt über Puls aus Band 2/Ausgabe 1909

Puls, Landgemeinde im Amtsbezirk Gokels, 3 km südsüdwestlich von Beringstedt, 9 km östlich von Hohenwestedt, Kirchspiel Schenefeld. Areal 1090 ha, davon Acker 680 ha, Wiesen 173 ha, Hölzung 72 ha. 73 Wohnungen, 415 Einwohner, 128 Pferde, 674 Rinder.

Gemeindevorsteher: Conrad Behrens. Das große Dorf liegt unmittelbar westlich am Wege Beringstedt-Schenefeld, ist ziemlich geschlossen gebaut, mehrere Straßen gehen in verschiedene Richtungen. Die Pulser Feldmark liegt ziemlich hoch, trigonometrische Punkte von 40,  47, 50 m sind in der Umgebung, hier liegt die Wasserscheide zwischen Eider- und Störgebiet.

Der Sage nach hat die Schenefelder Kirche zuerst in Puls erbaut werden sollen. Einklassige Schule, Spar- und Darlehnskasse, Meierei, landwirtschaftlicher Konsumverein, 2 Wirtshäuser, Schmiede, 6 Handwerker. Der Boden ist sandig, Wiesen anmoorig. 3 km südötlich liegen kleine Moorparzellen, welche Adebarsmoor heißen; zwischen Puls und Dieken das kleine Moor, welches auch zur Heugewinnung und Gräsung benutzt wird. Torf wird in Beringstedt und Warringstedt gewonnen.

Gehölz: meistens Laubholz, ca. 50 ha; D. Holling und P. H. Boie haben neuerdings je 1 Parzelle von 9 ha mit Dampfpflug pflügen lassen und mit Tannen aufgeforstet. Die Gemeinde beabsichtigt, 4 ha in gleicher Weise zu bepflanzen. Ausgebaut: Dieken südlich von Puls, Viehmoor südwestlich, am Landweg nach Schenefeld; Pulserdamm daselbst; Kammerhorst, etwas mehr westlich nach Warringholz zu. Hühnengräber sind noch einige in der Gemarkung vorhanden. Das Terrain ist vorwiegend flach, weist aber doch einige Erhöhungen von 32 m auf; nordwestlich vom Dorf fließt der Mühlenbach (s. Haalerau), östlich der Ohlsbek, welcher mit der Reherau östlich von Ostermühlen den Mühlenbach erreicht.


 

Beschreibung des Ortsbildes

Der Ort Puls entwickelte sich von einem typischen Bauerndorf mit einzelnen Höfen zu einem gemischten Standort für bäuerliche Wirtschaften und reine Wohnfunktion. Der Ort hat die Form eines Haufendorfes. Er wird durch geschwungene lange Straßen durchquert, an denen die einzelnen Grundstücke liegen. Hauptstraßenzüge sind die Schulstraße, Bahnhofstraße und Meiereistraße. Deren Straßennamen weisen auf frühere Nutzung hin, die heute im Ort nicht mehr vorhanden ist. Straßen und Gehwege sind asphaltiert, was zwar benutzerfreundlich ist, dem Charakter eines alten Bauerndorfes aber widerspricht.

Ein Bauerndorf mit alter Tradition

Dieser Bericht erschien am 3. Dezember 1958 in der „Norddeutschen Rundschau”

Etwas abseits von den großen Verkehrsstraßen des Landes am nördlichen Rand unseres Verbreitungsgebietes liegt das Bauerndorf Puls.

In den letzten Jahren vor allem nach Stilllegung der Kleinbahn Schenefeld-Hohenwestedt sind die Straßen zu dem Dorf in einen einwandfreien Zustand gesetzt worden. Im Rahmen des Wirtschafts- Wegebaues hat man jetzt den Weg Pulser Damm einen Kilometer ausbauen können und ebenso den Weg nach Reher bis zur Ortsgrenze befestigen können.

Sandwege bereiten noch Sorgen

Puls in der Landeszeitung vom 1. Dezember 1961

Umgeben von einem Kranz blühender Dörfer und Ortschaften liegt das Dorf Puls mit seinen knapp 500 Einwohnern. Für den Beschauer scheinbar etwas ruhig und abseits von dem Verkehr der Bundesstraßen. Aber nur scheinbar, denn die Verbindungsstraße, die durch Puls geht und die Bundesstraßen 77 und 204 miteinander verbindet, wird zu 90% vom öffentlichen Verkehr genutzt. Außerdem gehen aus Puls direkte Verbindungsstraßen nach Reher, Schenefeld, Warringholz, Gokels, Seefeld und Beringstedt.

Vertrag über einen Landtausch

(zwischen der Bauernschaft Puls und dem eingesessenen Hans Offe)

046a 800 047a 800

Zu wißßen sey hiemit, daß anhinten nachfolgender Tausch-Contract zwischen dem Bauerlag“ Puls und dem Eingesessenen Hans Offe verabredet und geschlossen von mir gehörigen orts folgendergestalt zu beschreiben begehret worden. Es vertauschen, überlassen, treten ab und räumen ein, die sämtlichen) Eingesessenen in Puls für sich und ihre Nachkommen, an Hans Offe den Jüngeren daselbst und dessen Erben ein bey des Hans Offe dorf-Wiese belegenes Stück Land mit aller dabey gehörigen Gerechtigkeit.

Aus der Abgabeliste für Steuern von 1585

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Hans Albers beim Säubern des Löschteichs

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 im Hintergrund das alte Feuerwehrgerätehaus


 

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Geröllaussiebung von Hand in der Sandkuhle „Hoffnung”, Eine „gepackte” Straße, rechts Schmiede Nootbaar

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1951/52 Straßenbau (Notstandsarbeit, Lohn ca. 0,80 DM pro Stunde), Der Steinbrecher leistet schnelle Arbeit. Am Bahnhof türmen sich Berge von Pack und Schotter. 


 

 

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Straßenbau nach Reher 1959

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Die neue Mauer um den Dorfteich         Der Diekenweg

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Pflastern des Diekenwegs vom neuen Sportplatz aus gesehen


 

Die Brücke nach Seefeld

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 bis 1960                                                                 und bis 1978

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Die Erhebung 1848

Seit 1460 galt eine Ungeteiltheit der Herzogtümer Schleswig und Holstein. Das Herzogtum Schleswig gehörte aber zu Dänemark, also herrschte das Gesetz des dänischen Königs, Holstein gehörte zum römischen Reich.

1848 erhoben sich die Schleswig-Holsteiner gegen die Dänen zum Kampf um Recht und Freiheit. Die Erhebung löste im übrigen Deutschland Wellen von Sympathie aus, überall meldeten sich Freiwillige, darunter Bayern und Sachsen. Sie halfen, die Armee um fast 7000 Mann zu verstärken. Der deutsche Bund in Frankfurt ergriff spontan Partei. Bundes- und preußische Truppen rückten ein und drängten die Dänen bis nach Jütland zurück. Da mischten sich die Großmächte Russland und England ein. Sie wollten die Schwächung Dänemarks nicht hinnehmen. Preußen musste seine Streitmacht zurückziehen und sich dem Druck Österreichs beugen. Die Schleswig-Holsteiner verloren die Schlacht bei Idstedt 1850, damit war die Erhebung beendet.

Da die dänische Regierung in ihrer Politik der Einverleibung Schleswigs in den Gesamtstaat fortfuhr und weiter gegen die Beschlüsse der Londoner Konferenz verstieß, machten Preußen und Österreich mobil und zwangen nach Erstürmung der Düppler Schanzen das nordische Königreich im Wiener Frieden vom 30. Oktober 1864 zum Verzicht auf die Herzogtümer. Damit wurde die vierhundertjährige Bindung mit Dänemark gelöst.


 

Der 1. Weltkrieg

Von 1914 bis 1918 herrschte Krieg in Deutschland, auch Puls wurde nicht davon verschont. 1915 waren schon 50 Männer aus unserem Dorf, Familienväter und ihre Söhne, in den Krieg marschiert. Die Gemeindevertretung beschloss, dass die Kinder, deren Väter in den Kampf gezogen waren, vom Unterricht befreit wurden, damit sie die Feldarbeit übernehmen konnten und die Familie keinen Hunger leiden musste oder gar die Gemeinde sie füttern müsse. Hier einige kurze Notizen, die der Lehrer machte: Durch den großen Krieg ist das Dorf von Männern leer geworden, augenblicklich sind 50 zur Front berufen. Die Kinder der Oberstufe kommen nicht zum Unterricht, da sie mit in der Landwirtschaft helfen müssen. Mitte 1915 sind hier 15 bis 20 kriegsgefangene Russen mit wenig Gepäck gekommen, sie sollen für die Bauern arbeiten und werden dafür von ihnen versorgt. Allgemein ist man mit ihnen zufrieden. Mitte Oktober 1915, es sind weitere 30 Russen gekommen, die beim Bahnbau arbeiten sollen. Da der Krieg die Fertigstellung unserer Kleinbahn um mindestens ein Jahr verzögert hat. Ist endlich am 14. Februar der Betrieb eröffnet. Mitte 1916, aus unserem Dorfe sind jetzt 70 Männer zu den Waffen einberufen. 19 Männer fielen in diesem Krieg, 10 waren in Gefangenschaft geraten. Im September 1920 sind sie aber endlich zurückgekehrt. 1920 beschloss man, zum Andenken an die Gefallenen ein Ehrenmal mitten im Dorf zu errichten.


 

Das Backhaus

Früher hatten die größeren Bauernhöfe ein Backhaus oder einen Backofen außerhalb des Hauses, aber mit dem Fortschritt verschwanden auch diese Einrichtungen nach und nach. Das Backhaus, welches zu dem Hof der Familie Detlef Holling gehörte, steht noch. Es ist schon recht baufällig, zwar hat man von Zeit zu Zeit einige Reparaturen durchgeführt, aber das äußere Erscheinungsbild ist geblieben.

Über der Eingangstür ist ein Querbalken eingesetzt mit der Inschrift: „Wer Gott vertraut hat wohl gebaut im Himmel und auf Erden“ Mai 1795 Abel Offen

Diesen Spruch hat die Familie Holling sich vor langer Zeit zu ihrem Leitspruch gemacht.

Nach Aussage von Detlef Holling gehört der erwähnte Balken gar nicht zu dem Backhaus, sondern man hatte ihn beim Abriss des alten Rauchhauses ausgebaut und dann in das Backhaus eingesetzt.


 

Die Räucherkaten

Zu dem Hof von Detlef Holling gehörte ehemals auch eine Räucherkate, in der zwei Tagelöhner mit ihren Familien wohnten. Das Haus stand in der Kurve der Meiereistraße zwischen den Höfen von Max-Hermann Bornholdt und Detlef Holling. Es wurde 1656 mit Reetdach gebaut, unter dem Dach hingen die Schinken, der Speck und die Würste, es hatte keinen Schornstein, der Rauch musste sich seinen Weg zum Giebel, in dem eine kleine Öffnung war, suchen, und so konservierte man gleichzeitig das Fleisch. In der Stube waren links und rechts Wandbetten mit Schiebetüren eingebaut.

Der „Burstock” und die erste Zeitung

Wenn in der Gemeinde eine wichtige Nachricht bekannt gegeben werden musste, wurde diese auf einen Zettel geschrieben, in einen „Burstock” (einer Dose aus Holz) gesteckt und von Haus zu Haus gegeben. Jeder musste ihn lesen, durfte die Dose aber nur eine halbe Stunde behalten, sonst drohten 3 Mark Strafe.

Die Doppeleiche auf dem Schulhof

1898 fand die 50-Jahr-Feier der Erhebung der Herzogtümer gegen die Dänen statt. Zu diesem Zweck wurde das brachliegende Grundstück, welches gegenüber dem erst 1911 erbauten Schulhauses liegt, eingefriedigt und bepflanzt.

Der Bürgermeister sprach davon, dass er hoffe, dass dieser Platz, ausgestattet mit Tannenhain, Spielgeräten und Rasenfläche, eine Zierde des Dorfes und für die Kinder ein schöner Platz zum Spielen und Turnen werden würde. Nach seiner Ansprache pflanzte der Lehrer mit den Kindern in die Mitte des Platzes eine Doppeleiche. Davor wurde ein Gedenkstein gesetzt, den der „alte Wrigg” selbst ausgehauen hatte. Dieser Stein wurde kurz vor dem 2. Weltkrieg neben das Kriegerdenkmal verlegt, dahinter pflanzte man eine „Hitlereiche". Die Doppeleiche von 1898 wurde nach dem 2. Weltkrieg gefällt, denn der Winter war sehr streng und es gab keine Feuerung. Dazu schrieb der Lehrer in die Chronik: „Im Februar 1947 wurden durch die Gemeinde, ohne vorherige Kenntnisgabe an die Lehrer, auf dem Schulhof eine Reihe alter Bäume niedergeschlagen. Es fiel auch die Doppeleiche, die 1898 gepflanzt wurde. Von den gewonnenen 15 m Holz erhielt die Schule 2 m. Eine größere Anzahl Tannen wurde schon mal vor dem Kriege niedergemacht, so dass heute von der ,Zierde des Dorfes' nur ein kümmerlicher Rest übriggeblieben ist."


 

Der Nachtwächter

Von Polizei wurde niemals berichtet, hatte einer etwas ausgefressen, wurde er kurzerhand ins Feuerwehrgerätehaus gesperrt. Der Gemeindevorstand entschied dann, was mit dem Sünder passieren sollte. Richtige Verbrechen wurden nie begangen. Das schlimmste, wovon berichtet wurde, war Brandstiftung.

Um Ordnung zu halten, ging in der Nacht ein Nachtwächter von Haus zu Haus. Der Nachtwächter war der einzige Mensch, der sich nach 21.30 Uhr auf der Straße sehen lassen durfte. Straßenbeleuchtung gab es 1910 nicht. Er musste bis 3.30 Uhr seine bestimmte Runde machen und an jedem Haus einmal in sein Horn blasen. Hörte er etwas Verdächtiges, war er verpflichtet, die Anwohner zu wecken, ansonsten musste er 40 Mark Strafe zahlen. Dies überlegte er sich aber ganz genau, denn er verdiente nur 36 Mark im Monat.

1918 war der Krieg vorbei und im Dorf trieb sich fremdes Gesindel herum. Meistens waren es junge Männer aus der Umgebung. Sie kamen, um irgend etwas zu ergattern, damit die Familien zu Hause nicht verhungerten. Es wurde gestohlen und geplündert. Um diesem vorzubeugen, bekam der Nachtwächter zwei Mann zur Unterstützung. Erst als sich die Lage normalisierte, durfte er wieder allein seinen Rundgang machen.


 

Die Hoffnung

Die Hoffnung liegt etwas außerhalb von Puls Richtung Reher hinter den Hügeln der ehemaligen Mülldeponie, wo sich auch das letzte Hünengrab befindet. Es wurde berichtet, dass man diesen Abschnitt 1908 parkähnlich anlegte. Es wurden Tannen gepflanzt, Wege geschaufelt und Rasen gesät. In die Mitte des Geländes pflanzte man eine Doppeleiche. Der Kriegerverein baute dort seinen Schießstand, und es wurden regelmäßig Schießwettbewerbe und Kriegerfeste gefeiert. Am Nachmittag nahmen die Frauen Kaffee und Kuchen mit, damit es für alle ein Vergnügen wurde. Abends wurde im Gasthaus auf dem Kriegerball getanzt. Einen Tag darauf gingen die Frauen von Haus zu Haus „schwieren" (saufen). Manchmal war es ganz schön heftig, denn sie waren sturzbetrunken und wussten nicht mehr recht, was sie taten. Aber darüber schweigt man lieber. Eines Tages wurde dieser Ort von einem Brandstifter völlig vernichtet. Die Pulser hat es sehr betroffen gemacht, denn es war nicht nur ein Platz zum Schießen und Feiern, sondern wirklich, wie der Name schon sagt, ein Platz der Hoffnung. Der Kriegerverein baute sich später einen neuen Schießstand im Dorf. Die Kieskuhle hinter dem Schulhaus war der ideale Platz dafür. Der Stand ist heute nicht mehr da, denn nach seinem Abriss baute Heinz Witt sein Haus auf dem Gelände. Kurz vor dem 2. Weltkrieg wurde der Verein aufgelöst. 


 

Kreisbahn Rosa Schmalspurromantik

Die Kleinbahn des Kreises Rendsburg diente der Erschließung des südlichen Kreisgebietes. Sie ermöglichte den Anschluss an die großen Handelsplätze.

Die Ära der Kreisbahn endete jedoch schon nach gut 38 Jahren im September 1954. Sie musste der Konkurrenz der Kraftwagen weichen, und aus finanziellen Gründen war eine Modernisierung nicht möglich. Mit dem Bau des Straßentunnels bei Rendsburg und der damit verbundenen Schließung der Straßendrehbrücke am Schützenhof blieb dem Kreis nur noch die Stilllegung. Für viele ist „ihre Rosa” unvergesslich.

Kies aus Puls war sehr gefragt

Etwa 800 Meter hinter der Bahnstation Puls, Richtung Oldenborstel, lag zur Rechten die Kiesgrube. Von Puls aus kommend, konnten die Züge über ein Anschlussgleis das Abbaugebiet erreichen.

Die Kreisbahn baute den Kies über das Anschlussgleis nach beiden Seiten hin ab. Der Kies wurde als Bettungsmaterial, Baumaterial und nach Fertigstellung der Baulichkeiten und Ausbau des gesamten Streckennetzes als Ausbesserungsmaterial verwendet. Wenn mit der Zeit andauernde Regenfälle und der ständige Wind ihre Spuren am Bahnkörper hinterlassen hatten, kam die Stunde der Kreisbahnunterhaltungsarbeiter. Ein Zug, mit Kies beladen, fuhr dann die gefährdeten Streckenabschnitte ab, und von den Waggons wurde dann der Kies auf den Bahndamm geschaufelt. Auf diese Weise wurde laufend der ganze Bahnkörper der Kreisbahnstrecke ausgebessert.

Mit den Jahren wechselten die Besitzer der Kiesgrube. Nach Claus Fink betrieb die Familie Holling in Zusammenhang mit einem Renaturierungsprogramm den Kiesabbau bis in die heutige Zeit.

Inzwischen ist der Kiesabbau aber eingestellt. An Stelle der Kiesgrube ist ein wunderschönes Stück Natur mit großen Teichen und Wald entstanden.


 

Pulser Einheit - Windmühle und Bahnhof

Am 5. Juni 1911 verhandelte die Gemeinde Puls in dem Haus von Schankwirt Marx Dammann über Landerwerb für den Bahnbau. Die Versammlung war beschlussfähig, und im Beisein der betroffenen Landbesitzer wurde folgender einstimmiger Beschluss gefasst: Sämtliche Interessenten und Betroffene erteilen die Bauerlaubnis, jedoch muss die Bahnverwaltung die Einfriedigung herstellen und unterhalten.

Das Ehrenmal

lm Jahre 1920 beschloss man, in der Mitte des Dorfes Puls ein Ehrenmal zum Gedenken an die Gefallenen im 1. Weltkrieg zu errichten.

Dort, wo wir es heute finden, war früher ein Feuerlöschteich. Dieser wurde zugeschüttet, aber man baute nebenan einen Brunnen mit Pumpe, damit man bei Feuer über Löschwasser verfügte.

Der 2. Weltkrieg

Von 1939 bis 1945 war wieder Krieg in Deutschland. Lehrer Karstens schrieb folgendes in die Schulchronik: Krieg! Die Wehrmacht ruft. Ich verlasse mit schwerem Herzen und großer Sorge meine geliebte Wirkungsstätte, meine Familie und mein Dorf und gehe in eine dunkle, schicksalsschwere Zukunft.

Erst 1942 schrieb man wieder etwas vom Krieg in die Schulchronik:

Am letzten Sonntag wurden hier 30 verwundete Soldaten von der Frauenschaft bewirtet. Nachmittags wurde in Ehlers' Gastwirtschaft gemeinsam Kaffee getrunken.

Die Währungsreform

Die Reichsmark war nichts mehr wert. Sämtliche Güter waren bewirtschaftet; es gab nichts zu kaufen. Der Geldüberschuss bewirkte einen schwunghaften Schwarzmarkthandel.

500 g Butter 240,- RM, 500 g Speck 180,- RM, 1 Zigarette 6,- bis 8,- RM, 500 g Kaffee 500,- bis 800,- RM, usw. Alle sehnten sich nach der seit langem angekündigten Währungsreform.

Endlich kam sie am 20.6.1948, es war ein Sonntag. In der Schule, im Raum der 2. Klasse, wurde das sogenannte „Kopfgeld” ausgezahlt. Jede Person erhielt 40,- Deutsche Mark gegen Einzahlung von Reichsmark. Die Menschen waren froh, endlich wieder wertvolles und sauberes Geld in den Händen zu haben. Ausgezahlt wurden hier in Puls ca. 35.000,- DM.


 

Die Einwohnerzahlen von Puls

Vor 1867 hat das Amt in Schenefeld keine Eintragungen darüber.

03.12.1867

363

31.12.1971

486

31.06.1998

552

01.12.1871

347

31.12.1972

500

31.03.2000

602

01.12.1875

338

31.12.1973

500

31.03.2005

623

01.12.1880

342

31.12.1974

513

31.03.2010

610

01.12.1885

334

31.12.1975

532

31.03.2011

609

01.12.1890

330

31.12.1976

510

31.03.2012

600

02.12.1895

344

31.12.1977

488

31.03.2013

601

01.12.1900

365

30.09.1978

478

31.12.2013

586

01.12.1905

415

31.12.1979

452

31.12.2014

602

01.12.1910

440

31.12.1980

448

31.03.2015

598

08.10.1919

443

31.12.1981

466

01.01.2017

604

16.06.1925

459

31.12.1982

462

22.08.2018

588

16.06.1933

468

30.09.1990

478

01.10.2019

583

17.05.1939

424

31.12.1991

489

31.03.2020

570

29.10.1946

898

31.12.1992

495

13.09.1950

789

31.12.1993

520

25.09.1956

523

31.12.1994

522

06.06.1961

485

31.12.1995

554

27.05.1970

466

31.12.1996

570

31.12.1970

491

31.12.1997

564

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Bürgermeister und Schulleiter

 Bürgermeister: Schulleiter:
1879 -1885 Hinrich Heesch 1733 - 1761 Holm
1909 -1924 Warnholz 1761 - 1799 Langmaak
1924 -1933 Sierk 1799 - 1818 Fölster
1933 -1934 Tank 1818 - 1859 Vollstedt sen. & jun.
1934 -1945 Söhrn 1873 - 1875 Hansen
1945 -1946 Ruge und Kühl 1875 - 1877 Franzen
1946 -1948 Popp 1878 - 1921 Fock
1948 -1978 Walter Holling 1921 - 1930 Sievers
1978 -1998 Rudolf Mohrdieck 1930 - 1935 Jacobsen
1998 -2013 Jürgen Schmid 1935 - 1954 Karstens
seit 2013 Jens Stöver 1954 - 1959 Mohr
1960 - 1971 Irmgard und Paul Lange

Extreme Witterungen

In der Volkszeitung wurde am 20.8.1947 folgender Text veröffentlicht: Der wärmste Sommer seit 1881

Der diesjährige Sommer dürfte in vielen Gegenden Deutschlands der sonnenreichste und wärmste sein, der seit 1881, dem Beginn regelmäßiger meteorologischer Beobachtungen, in Deutschland vorgekommen ist. Wir verzeichnen im bisherigen Sommerhalbjahr seit April eine das Normalmaß weit übersteigende Zahl an sonnigen Tagen, z. T. verbunden mit Rekordhitze, wie sie in vielen Orten Deutschlands bisher noch nicht gemessen wurde. Während der berüchtigt gewordene Sommer 1911 nur im Juli und August sehr heiß war, aber im gesamten Verlauf Dürre brachte, ist in diesem Sommer ein Übermaß an Sonnenschein und Wärme bereits seit April zu verzeichnen. Die Trockenheit hat dagegen, abgesehen von einzelnen Gebieten Mittel- und Süddeutschlands, noch nicht die katastrophale Form von 1911 erreicht. Leider schließen ausgeprägte Schönwettersommer immer Dürregefahren in sich.

Mittwoch, 3. September 1947 ~ Schleswig-Holsteiner Volkszeitung: Das Vieh verhungert auf den ausgedörrten Weiden - Trockenheit verursacht Milchverknappung

Das anhaltende laute Brüllen der Rinder auf den Weiden der Rendsburger Umgebung ist ein Zeichen der zunehmenden Futtermittelknappheit. Die Bauern erklären, dass es nahezu keine Möglichkeit mehr gäbe, das Vieh mit dem notwendigen Futter zu versorgen. Das Gras ist verbrannt und auf weiten Strecken kein frischer Halm zu entdecken. Die Trockenheit wirkt sich naturgemäß auch auf die Milcherträge nachteilig aus. Zahlreiche Tiere geben fast nur noch die Hälfte der der Jahreszeit entsprechenden Milchmenge.

Rendsburger Zeitung, 25. März 1952: Der Winter zum fünften Mal mild

Allen Vorhersagen eines kalten Winters zum Trotz, zeigte sich der Wettergott in den vergangenen drei Monaten von der besten Seite. Vor allem im Norden und Westen der Bundesrepublik lagen die Temperaturen um durchschnittlich 2 Grad über den langjährigen meteorologischen Beobachtungen. Damit verzeichneten die Wettersachverständigen den fünften milden Winter nach den kalten Tagen 1946/47. Seit 1767 wurde noch nie eine derartig lange warme Winterfolge in Deutschland beobachtet. So lange gibt es wetterkundliche Aufzeichnungen. Die Weihnachtsfeiertage brachten in den meisten Gegenden mit durchschnittlich 8 bis 9 Grad Wärme einen seit 1880 nicht verzeichneten Rekord. In manchen windgeschützten Gärten blühten zur Weihnachtszeit die Rosen. Chrysanthemen, Primeln, Veilchen und Goldlack, sogar Rittersporn, Feldmohn und Kornblumen unterbrachen zum Jahresende hier und da ihren Winterschlaf.

Dafür hatte man am 31. März 20 cm Schnee und 3° Kälte, Ostern dagegen 28° Wärme

Sibirischer Winter 1963

Um das Weihnachtsfest 1962 setzte der Winter ein. Niemand konnte ahnen, dass es ein Winter werden sollte, wie man ihn schon seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hatte. Mit großer Kälte - zeitweise wurden in Puls Nachttemperaturen von 28° unter Null gemessen - sowie durch seine Länge bereitete dieser Winter den Bauern große Sorgen. Es gab verschiedene Höfe, auf denen Knappheit an Futtermitteln auftrat. Auch der Beginn der Frühjahrsbestellung wurde um Wochen hinausgeschoben. Alle hofften nun, dass ein guter Sommer für diese schlechte Zeit entschädigen möge.


 

Handwerk, Geschäfte, Dorfleben

Schmiede Nootbaar

Die letzten Jahre hatte Puls eine Schmiede, sie befand sich in dem Gebäude direkt gegenüber der jetzigen Raiffeisenbank. Leider verstarb der letzte Schmiedemeister Andreas Nootbaar und somit wurde auch die Schmiede geschlossen.

lm November 1953 las man folgende Zeilen in der Zeitung: Beim Berufswettkampf der Schmiede errang Andreas Nootbaar, Sohn von Schmiedemeister Johannes Nootbaar aus Puls, einen ganz besonderen Erfolg: Er wurde 2. Bundessieger. Als praktische Arbeiten hatte er unter Aufsicht des Meisters eine Autobremse angefertigt und war damit Landessieger im Bereich der Handwerkskammer Lübeck geworden. Ihm wurde eine Urkunde und ein Geschenk überreicht.

Lehrer Karstens schrieb dazu:

Reit- und Fahrverein

Bevor der 2. Weltkrieg Fremde ins Dorf brachte, war Puls ein Dorf in dem es nur Reetdachhäuser gab. Jeder hatte ein paar Pferde für die Feldarbeit. Außer einigen Handwerkern gab es nur Bauern. Diese hatten sich zu einem Reit- und Fahrverein zusammengetan. Auf der rechten Wiese am Ortsausgang Richtung Reher wurde von dem Verein zweimal im Jahr ein Turnier veranstaltet, bei dem man sein Können und das seiner Pferde unter Beweis stellen konnte. Im Frühjahr ritten und fuhren nur die Vereinsmitglieder.

Im Herbst fand ein öffentliches Turnier statt, an dem auch fremde Reiter teilnahmen. Man fuhr mit Pferd und Wagen, zeigte Dressurreiten, und es gab ein Hindernisspringen.

In der Zeitung erschien am 28.9.1952 folgender Bericht:

Das ganze Dorf war auf den Beinen, Pferde beherrschten das Bild der Dorfstraße.

Ganz Puls war auf den Beinen, als der Reit- und Fahrverein Puls sein Reiterfest feierte. Die Amateure des Reitsports zeigten beachtliche Leistungen. Der Acker war hergerichtet wie ein professioneller Turnierplatz. Es muss hier darauf hingewiesen werden, dass Pferd und Reiter im Alltag voll in der Landwirtschaft eingesetzt waren. Das ganze Fest war ein voller Erfolg des ländlichen Vereins. Ein Reiterball in Ehlers' Gasthof vereinte noch einmal die Dorfgemeinschaft mit den Reitern aus der Umgebung bis in die frühen Morgenstunden.


 

Das traditionelle Ringreiten

Ringreiten wurde in Puls schon immer veranstaltet, auch als es noch keinen Ringreiterverein gab.

Es gehörte einfach zu Puls, dass man sich im Frühsommer hoch zu Ross traf und den Gewinner des letzten Jahres zu Hause abholte. Dieser musste dann einen ausgeben. Nicht nur die Reiter machten sich auf den Weg, sondern es wurde ein regelrechtes Dorffest daraus gemacht. Am Start waren meistens 30 bis 40 Reiter. Der Wettkampf wurde immer am Bahnhof ausgetragen. Die letzten 9 Häuser der Bahnhofstraße waren noch nicht gebaut, und die Straße war noch nicht befestigt, somit war es die ideale Kampfbahn entlang der Gleise. Von dem Eintrittsgeld konnte man Preise für die Sieger kaufen. Dann musste der neue König einen ausgeben, weil reiten ja durstig macht.

Ringreiterverein

Am 19. Juni 1982 wurde der Ringreiterverein gegründet. Damals zählte man 11 Mitglieder, heute sind es 137. In den Vorsitz wurden 1. Hans-Peter Ehlers, 2. Hans-Hermann Thiel, 3. Rolf-Dieter Wieck gewählt. Die Reiter beschlossen, nicht nur aus unserem Dorf Mitglieder aufzunehmen, sondern auch Interessenten aus anderen Gemeinden hatten die Möglichkeit mitzumachen.

1984 stellte die Gemeinde ihnen einen Platz am Ortsausgang Richtung Seefeld zur Verfügung. Die Reiter haben ihn in mühevoller Arbeit eingezäunt und hergerichtet. 1985 wurde dieser eingeweiht.

Die Schule in Puls

In den alten Kirchenbüchern von Schenefeld stand geschrieben: In Puls wurde erstmalig eine Schule eingerichtet anno 1701. Der Lehrer Johann Off stirbt am 13.10.1755, Friedrich Holm stirbt am 24.4.1761, Henning Langmaak stirbt 1799, von da an war J. Fölster der Schulmeister in Puls.

Die nachfolgenden Aufzeichnungen wurden den Schulbüchern von Puls entnommen. Um 1800 herum war Lehrer Fölster an der Pulser Schule tätig. Da er von seinem kargen Gehalt nicht leben konnte, war er nebenbei Pantoffelmacher.

Später schrieb man, dass zuerst Herr Vollstedt und später sein Sohn die Kinder unterrichtete. Sie waren „Autodidakten" (sie hatten sich durch Selbststudium Wissen angeeignet). Die Kinder aus Oldenborstel gingen bis 1859 hier mit in die Schule. Zusammen zählte man 120 Schüler, die Kinder saßen teilweise auf Bänken an der Wand, ohne Tisch, die Tafel auf dem Schoß und das Buch neben sich.

50 Jahre Schulhaus Puls

Am 30. Oktober 1911 wurde das Schulhaus seiner Bestimmung übergeben. 50 Jahre später waren Gemeindevertretung und Schulleitung der Ansicht, dass es richtig wäre, dieses Jubiläum festlich zu begehen. Der folgende Text wurde damals in der Landeszeitung veröffentlicht:

In würdiger Form und gemäß ihrer Tradition feierte die Gemeinde Puls das 50jährige Bestehen ihres Schulhauses. Es war ein schöner klarer Herbsttag, als sich die Festteilnehmer vor dem freundlichen, innen und außen geschmückten Schulhaus versammelten, um mit einem feierlichen Akt in der Schule den festlichen Tag einzuleiten.

Das Kinderfest

In der Schulchronik wurde 1888 das erste Mal davon geschrieben, dass der Lehrer im Schulgarten zum Kaffeetrinken und zum Kindertanz geladen hatte. 1890 feierte man das gleiche Vergnügen in der Gastwirtschaft „Gribbohm”.

1891 kam Vogelschießen für die Jungen und Punktelauf und Sackhüpfen für die Mädchen dazu. Nachmittags wurde getanzt. Von 1891 bis 1908 wurde immer nur ein Junidatum genannt, an dem das Fest stattfand. In der Zeit um den 1. Weltkrieg schrieb niemand etwas übers Kinderfest. In der Schulchronik las man erst 1936 wieder etwas darüber.

Auguste Greve verfasste dieses plattdeutsches Gedicht, welches sie an ihre Kindheit erinnerte.

Die Feuerwehr

In früheren Jahren gab es in Puls eine Zwangsfeuerwehr. Jeder, der da war musste helfen.

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Am 15. Mai 1930 gründete Karl Wunsch mit 38 Männern die freiwillige Feuerwehr. Man traf sich regelmäßig und übte, um bei Feuersbrünsten besser vorbereitet zu sein. Die Gerätschaften mussten gepflegt werden, denn diese lagerten im alten Spritzenhaus, aber wenn es mal ein Jahr nicht brannte, wurde sie auch ein Jahr lang nicht nachgesehen.

Feuerwehrfest in Puls

Zeitungsausschnitt vom 25.9. 1949

In Puls fand bei strahlendem Sonnenschein die Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses statt, welche mit dem diesjährigen Amtsfeuerwehrfest verbunden war. Unter reger Beteiligung der Bevölkerung und vieler auswärtiger Gäste wurde das neue Gerätehaus eingeweiht, wobei Bürgermeister Holling und Kreisbrandmeister Schäfke Ansprachen hielten.

Der Sportverein

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Am 27.8.1955 wurde in Puls der Sportverein gegründet. Folgender Text war in der Zeitung zu lesen:

Wie angekündigt, fand am 27.8. Die Gründungsversammlung des Sportvereins Puls statt. Die Teilnehmer waren sich über die Notwendigkeit einer Sportvereinsgründung einig. In den Vorstand wählten die neuen Vereinsmitglieder:

Fall der Linde

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Knapp eine Stunde dauerte es, dann lag am Boden, was in 400 Jahren gewachsen war. Die alte Linde in Puls war morsch geworden. (Foto: Werlich)

Das Ortsbild von Puls ist um die historische Linde ärmer

Abschied nach 400 Jahren

Gasthof „Zur Linde"

Der Gasthof „Zur Linde” wurde bis vor kurzem von Werner und Ische Ehlers geführt, jetzt haben sie ihn an ihre Tochter Frauke Wittmaack abgegeben. Werner hatte die Wirtschaft am 1.12.1958 von seinen Eltern Johannes und Anne Ehlers geb. Gribbohm übernommen.

Von je her wurde der Gasthof als Mittelpunkt des Dorfes beschrieben, der Platz um die alten Dorflinden (früher standen zwei davon) wurde als Dorfanger und Treffpunkt der Bevölkerung genannt. Man konnte im Sommer unter ihnen sitzen und sich erfrischen. Auf dem Saal der Wirtschaft wurde den Kindern aus dem Dorf vom Tanzlehrer Klaus Ruge das Tanzen beigebracht. Jedes Kind machte mit und hatte Spaß daran. Ganz berühmt war der Bauerntanz.

„Ferienhof Puls” 

131b 691Der Ferienhof war bis 1979 ein Bauernhof. Familie Zernitz kaufte ihn von Familie Hinz. Sie baute das ganze Gebäude um und eröffnete im Juni 1980 einen Hotel- und Restaurationsbetrieb, der heute für gute Übernachtungsmöglichkeit und sein sehr gutes und günstiges Essen über die Grenzen unseres Kreises hinaus, bekannt ist.

Durch viele Annehmlichkeiten, wie z. B. Schwimmbad, Sauna, Party-Service, gemütliche Räumlichkeiten und sauberes, freundliches Personal war der Ferienhof nicht nur für die auswärtigen Gäste, sondern auch für uns Pulser zu einer Bereicherung geworden.

Ab 1989 veranstaltete die Familie einmal im Jahr einen Oldtimer-Treff, bei dem man nicht nur liebevoll restaurierte alte Autos, sondern auch Motorräder, Traktoren und Dreschmaschinen betrachten kann. Die Besucher bekammen so den Einblick, wie die Bauern früher ihre Felder bearbeitet haben.

1991 kam das Country-Festival, immer eine Woche später, dazu. Hunderte von Lkw-Fahrern treffen sich mit ihren Trucks in Puls, um Countrymusik zu hören und ein tolles Wochenende zu erleben. Obwohl so viele Menschen zusammenkommen, gab es keinen Streit oder Radau. Alle waren fröhlich, auch die Pulser feiern mit. Die Anwohner nahmen das Spektakel gern in Kauf, denn es ist ja nicht lange. Ansonsten ist Puls ruhig, und manch einer steht den Fremden mit Rat und Tat zur Seite. Durch die zahlreichen Anbieter und Darbietungen entwickelten sich diese beiden Veranstaltungen zu wahren Volksfesten. Viele kannten nun unser schönes Puls, auch wenn man sonst noch nie etwas von unserem Ort gehört hatte. 

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(Das Oldtimer-Treff und Country-Festival wurde immer größer und musste nach Beringstedt verlegt werden. Nach dem plötzlichen Tod von Dieter Zernitz wurden die Veranstaltungen noch von der Tochter weitergeführt aber dann schließlich ganz eingestellt.)


 

Die Poststelle

In dem Haus von Asmus, heute Martin Kohl Sanitärtechnik, in der Schulstraße gab es schon immer eine kleine Poststelle, und als es Fernsprecher gab, wurde dort auch der erste installiert. Zuerst gehörte Puls postalisch zu Schenefeld, bis 1888, dann wurden wir zum Beringstedter Postamt gezählt. Leider wurde die Poststelle nach dem 2. Weltkrieg geschlossen. Jahrelang kämpften die Pulser um eine Wiedereröffnung, bis 1952 die gute Nachricht kam.

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Die Landsparkasse

134b 800Als die Meierei 1972 geschlossen wurde, kaufte der Handwerker Wilhelm Lütje aus Schenefeld das Gebäude. Ursprünglich sollten nach dem Umbau Wohnungen zur Vermietung entstehen. Da der damalige Direktor der Landsparkasse Schenefeld, Herr Sievers, Räumlichkeiten für eine Filiale suchte, einigte er sich mit Herrn Lütje und mietete die eine Wohnung an. Dann wurden ein Tresen und Büromöbel aufgestellt, und die Zweigstelle konnte am 22.3.1974 eröffnet werden. Auf dem Foto, das Gebäude der früheren Meierei im Jahre 1996

Spar- und Darlehnskasse

135a 800Am 12. März 1904 wurde im Ort für Puls und Umgebung die Spar- und Darlehnskasse, der gleich 31 Mitglieder und Genossen beigetreten sind, gegründet. Da es keine Kassenräume gab, wurden die Bankgeschäfte von dem jeweiligen Rendanten in seinem Wohnzimmer getätigt.

Als Wilhelm Söhren 1949 das Amt in Puls übernahm, richtete er in seinem Haus im Blumenweg einen Extraraum als Geschäftsstelle ein.

Die Gefrieranlage

Am 15. September 1958 hatte die Spar- und Darlehnskasse Puls (jetzt Raiffeisenbank) als Nebenbetrieb eine Gefrieranlage eingerichtet. Die Anlage, mit einem Vorkühlraum versehen, konnte 9000 Liter aufnehmen, das hieß 45 Zellen à 200 Liter. Die einzelnen Zellen waren an 45 Genossen, in erster Linie Bauern, vergeben, die wiederum ihre Zellen als Eigentum hatten erwerben müssen. Jede Zelle kostete 540,- DM. Mit Erwerbung dieser Anlage hatte das Dorf erneut einen Schritt vorwärts zu Modernisierung und Technisierung, vor allem seiner bäuerlichen Betriebe getan.


 

Das Maifeuer

Heute treffen wir uns jedes Jahr am Abend des 30. April, um ein Maifeuer anzuzünden. In anderen Gegenden macht man ein Osterfeuer, dieses stammt aus heidnischen Bräuchen. Da die Pulser aber eher praktisch veranlagt waren, veranstalteten sie es nie. Erst 1923 schrieb der Lehrer, weshalb man anfing Maifeuer zu veranstalten. Es ist aus einer Not entstanden, denn das Dorf sah nach dem Krieg Wüst aus. Die Schulkinder mussten aus den Gärten und der Umgebung Gestrüpp, Reisig und alle brennbaren Trümmer des Krieges zusammensuchen und zu einem Haufen stapeln.

Am Abend steckte man ihn in Brand, dann setzte sich Jung und Alt ums Feuer herum und sang Lieder. Es war nach dem Kriegselend ein wunderbares Gefühl der Zusammengehörigkeit. Diesen Brauch behielt man bei.


 

Das lsboßeln

Ein altüberlieferter Brauch ist das jedes Jahr zur Fastnacht stattfindende „lsboßeln” oder „Burnfastabend” in Puls. Ein Brauch, der Jahrzehnte, ja Jahrhunderte überlebt hat und trotz Krieg und Zusammenbruch durch Festhalten der Dorfbewohner an alter Tradition immer wieder ins Leben gerufen wurde. Es ist ein Dorffest im wahrsten Sinne des Wortes. Allerdings nur für Verheiratete, das getragen wird vom Wettstreit der Männer, die durch Werfen mit einer bleigefüllten Holzkugel, dem sogenannten Boßel, eine Sieger- und Verliererpartei ermitteln. Letztere ist dann verpflichtet, die Zeche, d. h. den Schnaps, der beim Boßeln ausgeschenkt wird, zu bezahlen. Viel Spaß begleitet diesen uralten Brauch. Nach dem Boßeln begeben sich die Männer ins Gasthaus, wo sich inzwischen auch die Frauen eingefunden haben, und bei einer gemeinsamen Kaffeetafel mit dem bekannten „Heissewecken-essen” geht es weiter, bis dann fröhliche Stunden mit Tanz folgen. Leider mussten Lehrer und auch Gemeinderat immer wieder darauf hinweisen, dass die Bevölkerung mehr Interesse an dieser alten Tradition zeigen sollte, da die Beteiligung oft sehr gering ist. Es wäre schade, wenn es aus diesem Grund vergessen würde.

(Für mehr Infomationen aufs Bild klicken!)

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„Puls“  Ein Gedicht von Auguste Greve

Die Meierei

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In dem Gebäude, in dem sich später die Landsparkassenfiliale befand. War von 1930 eine Meierei. Die Bauern brachten die Milch ihrer Kühe dort hin, um sie zu Butter, Käse Quark und Sahne verarbeiten zu lassen.

Straßenkarte von Puls

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Das Erntedankfest

Am 6. Oktober 1935 feierte man zum ersten Mal im Dorf ein Erntedankfest. Unter Mitwirkung der Schule versuchte man unter der Bevölkerung dafür Interesse zu wecken, es gelang auch, fast das ganze Dorf auf die Beine zu bekommen. lm Krieg wurde diese Feier als Fest des Volkes angeordnet. Nach dem Krieg sorgte die Landjugend aus Schenefeld dafür, dass dieser Brauch ab und zu wieder fortgeführt wurde.

Am 16. Oktober 1960 wurde nach langjähriger Pause durch den SV Puls eine Erntefeier veranstaltet. Die Schule war wieder zur Mitarbeit an der Ausgestaltung aufgefordert, der Lehrer schrieb dazu ins Schulbuch: Diese zusätzliche Arbeit wurde von uns gern übernommen, da wir hier beweisen konnten, dass die Schule immer bereit ist, an der Pflege und Förderung dörflichen Brauchtums mitzuarbeiten.

Mit den Kindern der Oberstufe wurden Lieder und Gedichte dargeboten. Sie handelten vom Leben und von der Arbeit des Landmannes. Diese Darbietungen wurden von der zahlreich vertretenen Dorfbevölkerung mit großem Beifall aufgenommen. Durch die Volkstanzgruppe des SV Puls gelangten einige Tänze zum Vortrag. Den Abschluss bildete die Überreichung einer Erntekrone an den Bürgermeister. Nach Beendigung des offiziellen Teils saß die Dorfbevölkerung noch lange in froher Runde zusammen.


 

Nachtrag

Zum Schluss noch einige Begebenheiten, die zu erwähnen sind. Als der Geburtstag des Kaisers Wilhelm des Großen 1897 gefeiert wurde, pflanzte man zum Gedenken drei Eichen. Eine auf dem Schulhof (sie wurde später gefällt), die zweite auf der Kreuzung Meiereistraße/ Bahnhofstraße und die dritte in der Schulstraße zwischen dem Hause von Helmut Harms und der Bushaltestelle.

Zur Jahrhundertfeier der Erhebung pflanzte man 1913 zwei Doppeleichen, eine auf der Kreuzung Schulstraße/Helenenstraße/Bergstraße und die zweite hinter dem Ehrenmal, wo damals noch der Dorfteich war. 1908 fing man damit an, die ersten Straßen zu pflastern. 1968 wurden die ersten Straßenschilder aufgestellt. 1972 installierte man die ersten sechs Straßenlampen. 1978 benannte man die Reherstraße in Bahnhofstraße um. Und: Um die Jahrhundertwende befanden sich noch 10 bewohnte Storchennester auf den Dächern der Häuser.


 

Schlusswort

Mit dieser Dokumentation biete ich nichts Vollkommenes. Infolge der einzelnen Themen ließen sich Wiederholungen nicht ganz vermeiden. Natürlich wird auch noch dies und das fehlen, aber es sollte einen jeden anregen, es selbst nachzuprüfen und selbst zu erforschen.

Ungenützter Stoff dürfte noch in den Kirchenbüchern, Gerichtsarchiven oder Gemeindebüchern vorhanden sein, evtl. haben auch noch einige Familien wissenswertes Material in ihrem Besitz. Hier gilt es zu sammeln, denn meine Arbeit ist ganz bestimmt der Ergänzung bedürftig. Ich möchte alle Pulser bitten, mir neuen Stoff den ich noch nicht erwähnt habe, zukommen zu lassen, damit ich weiter sammeln kann und evtl. nach Jahrzehnten ein zweites Buch schreiben kann.

Der Preis des Buches deckt nur die Kosten für Material und Druck. Ich, die es geschrieben habe, wollte nur der Heimat und dem Dorf dienen. Möge es in dem Geiste wirken, aus dem heraus es entstanden ist.

Puls, im Jahre 2000 144a 800


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ROSAS ZEITEN ...aus dem Band "Rendsburger Kleinbahn" Schmalspur-Romantik von 1901 bis 1957 von Andreas Kerber. Geiger-Verlag Horb am Neckar 
Erhältlich bei Foto-Wagner, Stegen 2, oder zu beziehen über die Buchhandlung Reichel, Schiffbrücken-Galerie, Rendsburg.


Pulser Einheit – Windmühle und Bahnhof

Am 5. Juni 1911 verhandelt die Gemeinde Puls im Haus von Schankwirt Marx Dammann über Landerwerb für den Bahnbau. Die Versammlung war beschlussfähig  und im Beisein der betroffenen Landbesitzer wurde folgender einstimmiger Beschluss gefasst: Sämtliche Interessenten und Betroffenen erteilen die Bauerlaubnis, jedoch muss die Bahnverwaltung die Einfriedigung herstellen und unterhalten.

An die Gemeindevertreter wurde am 15. Mai 1914 vielfach die Frage gerichtet, wie weit der Bau des Bahnhofgebäudes ist. Daraufhin fragte die Gemeinde am 15. Juni 1914 beim Kreisausschuss an, ob sie den Bau ausführen muss oder die Konzession der Wirtschaft auch an eine Person, welche den Anforderungen der Kleinbahnverwaltung genügt, weiterverkaufen kann. Sollte die Gemeinde den Bau ausführen, müsste die Geldanleihe der Gemeinde Puls bedeutend höher sein. Weiter teilte die Gemeinde dem Kreisausschuss mit, dass der Betrag von 35.000 Reichsmark zum 1. November 1914 an die Kreiskommunalkasse überwiesen wird.

Am 12. Juni 1914 bat Gastwirt Dammann den Kreisausschuss, ihm den Betrieb der Bahnhofswirtschaft zu übertragen. Er wollte den Fahrkartenverkauf übernehmen und sich jedes Mal zum Bahnhof zu den Zügen begeben. Die Bahngeschäfte sollten in seinem Lokal erledigt werden. Von einer neuen Wirtschaft bat er abzusehen, denn für die 440 Einwohner zahlende Gemeinde wären zwei Wirtschaften ausreichend.

Im Antwortschreiben vom 24. Juni 1914 wurde Marx Dammanns Vorschlag abgelehnt. Wenn er die Bahnhofswirtschaft und die Funktion eines Bahnaufsehers übernehmen möchte, müsse er seine Wirtschaft zur Station verlegen. Aus Betriebsrücksichten muss der Bahnhofsverwalter seinen ständigen Wohnsitz auf dem Bahnhof haben. Falls er zur Verlegung bereit wäre, sollte er umgehend die Baupläne einreichen.

Marx Dammann war in seinem Schreiben  vom 17. Juli 1914 an den Kreisausschuss der Meinung, dass ihm durch die Verlegung der Gastwirtschaft ein zu großer Schaden entstehen würde. Er erklärte sich bereit, eine Filiale auf der Station zu errichten. Außerdem würde er den Verwaltungsdienst übernehmen und ständig auf der Station anwesend sein.

Schon am 17. August 1914 reichte Gastwirt Dammann einen Grundriss vom Bahnhofsgebäude in Puls ein. Er bat gleichzeitig um Bewilligung einer Bausumme.

Am 8. Juni 1915 wurde im Hause des Gemeindevorstehers Warnholz unter seinem Vorsitz mit den Gemeindevertretern C. Boie, H. Möller, H. Sierk,

J. Alter, D. Holling, T. Tank, J. Kock und T. H. Boie  (wegen Einberufung fehlten J. Bornholt und C. Tank) über die Kleinbahnhofswirtschaft, als einzigem Tagesordnungspunkt, beraten. Einstimmig wurde von der Vertretung der Beschluss gefasst, eine Eingabe an den verehrlichen Kreisausschuss zu machen. Mündlich erfuhr der Gemeindevorsteher vom Herrn Betriebsinspektor Iwersen, dass der Schankwirt Marx Dammann sich um die Konzession für die Kleinhahnhofswirtschaft bemühe. Der Eigentümer des für den Bahnhofbau in Betracht kommenden Grundstücks, Landmann Timm Tank, hat bei der Gemeinde für sich oder seinen Sohn Hans (27 Jahre alt, zurzeit Soldat) den Antrag gestellt, diesen bei dem verehrlichen Kreisausschuss für die Bahnhofswirtschaft in Vorschlag zu bringen. Timm Tank ist bereit, seinen für die Bahnhofsanlagen in Frage kommenden Grund und Boden unentgeltlich herzugeben. Die Gemeindevertretung hat daraufhin Marx Dammann darüber befragt, ob er bei Erteilung der Bahnhofkonzession ebenfalls gewillt sei, den Wert des Bahnhofsgrundstückes der Gemeinde zu vergüten. Dammann hat erklärt, dass er keinesfalls Geld für den Bauplatz zahle. Den verehrlichen Kreisausschuss möchten wir gehorsamst ersuchen, zu genehmigen, dass der von uns vorgeschlagene Timm Tank oder sein Sohn die Konzession für die Leitung des Bahnhofsbetriebes erhält. Sollte der Kreisausschuss jedoch die Leitung des Kleinbahnhofes mit Wirtschaft auf Marx Dammann übertragen, bitten wir einige Punkte zu berücksichtigen. Er braucht keine Entschädigung für das von der Gemeinde zu erwerbende Baugrundstück zu zahlen. An eine Person werden zwei Wirtschaftskonzessionen erteilt, und daher empfiehlt es sich im Interesse des Ortes, dass Dammann die alte Konzession eingehen und auf den Bahnhof übertragen lässt.

Marx Dammann teilte Betriebsinspektor Iwersen am 12. Oktober 1915 mit, dass er sich Wunschgemäß den Luhnstedter Bahnhof angesehen habe und Bahnhofsvorsteher Behrens mit der Bahnhofsanlage bisher sehr zufrieden sei. Abschließend meinte er, dass er nach seinen Berechnungen nichts für das Grundstück zahlen kann.

In einem Schreiben vom 22. Februar 1916 bat die Gemeindevertretung den Kreisausschuss, den Bau des Bahnhofsgebäudes schon bald in Angriff zu nehmen.

Die Gemeindevertreter waren der Meinung: Wenn der Besitzer des Grundstückes, Landmann Timm Tank, den Vorsteherposten erhalten hätte, wäre das Gebäude schon im vorigen Sommer gebaut worden. Auch jetzt ist Tank noch bereit, den Grund und Boden (Preis ca. 3.000 Mark) unentgeltlich an die Gemeinde abzutreten. Den Bau des Bahnhofgebäudes würde Timm Tank sofort ausführen, wenn er oder sein Sohn die Bahnhofswirtschaft erhalte. Erteilt man aber dem Schankwirt Dammann, der jetzt die Geschäfte für die Bahn ausführt, die Wirtschaftskonzession, so möchten wir, dass Dammann das Grundstück bezahlt. Außerdem sollte er dann schnellstens den Bau ausführen. Dringend wird auf dem Bahnhof eine Viehwaage benötigt. Sollte Marx Dammann nicht in der Lage sein, eine Waage zu erstellen, bitten wir um die Erlaubnis zur Errichtung einer Viehwaage.

Ein weiterer Punkt wurde im Schreiben an den Kreisausschuss angeführt. Die Besitzer, deren Grundstücksverhältnisse sich durch den Bahnbau verändert hatten, stellten bei der Gemeindevertretung den Antrag, dahin zu wirken, dass das Bahnland schon baldmöglichst vermessen und von der Enteignungskommission abgeschätzt werde. Die Einfriedigung sollte spätestens bis zum 1. Mai 1916 hergestellt sein.

Marx Dammann unterrichtete am 31. Juli 1916 die Betriebsleitung über den geplanten Bau einer Güterschuppens. Falls der Bau nicht zur Ausführung käme, aus welchen Gründen auch immer, wollte er die Zusicherung von der Betriebsleitung, dass sie ihm den verauslagten Betrag zurückerstattet.

Folgenden Aktenvermerk fertigte Betriebsinspektor Iwersen am 15. August 1916 an: Marx Dammann will ein Wohnhaus bauen, sobald seine Söhne den Militärdienst beendet haben. Unter dem Vorbehalt, dass ihm die Konzession erteilt wird. Ein Sohn ist im Felde, und der zweite kann täglich eingezogen werden. Bei Nichterteilung der Konzession bittet er um Rückerstattung der Kosten für den Bau des Güterschuppens. Er wird der Gemeinde für das Grundstück nichts vergüten, sondern will später einfach bauen und glaubt, dass er sich mit der Gemeinde einigen wird.

Zimmermeister Jürgen Rohwedder aus Puls erhielt schon bald den Auftrag, einen Güterschuppen auf dem Bahngelände zu bauen. Da er die gesetzte Frist bis zur Fertigstellung nicht einhalten konnte, schrieb er am 15. Dezember 1916 an die Betriebsleitung: „Der Güterschuppen auf der Station ist bis auf den zweiten Carbolineumanstrich fertiggestellt. Ich bitte ergebenst um Abnahme. Die Fertigstellung des Gebäudes konnte ich wegen langer Lieferzeiten der Türbeschlage nicht zur gewünschten Zeit schaffen. Der zweite Anstrich wird in den nächsten Tagen erfolgen.“
So sollte das Empfangsgebäude aussehen. Nach diesen Plänen wurde dann später gebaut.

Endlich schien auch für Puls ein Empfangsgebäude in greifbarer Nähe zu rücken. Am 17. April 1920 richtete Heinrich Bötel aus Schenefeld ein Schreiben mit folgendem Wortlaut an den Kreisausschuss:  Der Kreistagsabgeordnete Herr Holling aus Puls hat mich veranlasst, dem Kreisausschuss folgenden Vorschlag zu unterbreiten. Ich habe die Mühle am Bahnhof Puls gekauft. Sie war bisher ein Nebenbetrieb ohne Wohnräume. Nun stehe ich vor der Frage, ob ich die Mühle zum Abbruch verkaufen oder zu einem selbständigen Betrieb ausbauen soll. Um die richtige Entscheidung zu treffen, bitte ich zuvor den Kreisausschuss um eine Auskunft. Ist der Kreis daran interessiert, dass ich den Umbau so ausführe, dass auch der Bahndienst darin Unterkunft findet? Ich wäre eventuell bereit, die erforderlichen Baulichkeiten auf meine Kosten im Laufe dieses Sommers dementsprechend einzurichten. Den üblichen Bahndienstvertrag würde ich mit dem Kreis abschließen, wenn der Kreisausschuss mir in dem Betrieb Wirtschaftskonzession erteilt und mich bei der Beschaffung der Baumaterialien unterstützt. Eine Skizze über den geplanten Bau füge ich bei und bitte, gewünschte Änderungen vorzunehmen. Zurzeit stehe ich in günstigen Verhandlungen hinsichtlich der Beschaffung von Baumaterialien und bitte den Kreisausschuss deshalb, mir seine Entscheidung schnellstens mitzuteilen.“

Am 4. Juni 1920 teilt der Kreisausschuss Hinrich Bötel folgenden Beschluss mit: Der Kreisausschuss hat beschlossen, Ihnen die Wirtschaftskonzession in dem neben dem Bahnhof Puls geplanten Mühlengebäude zu erteilen, solange es dem Bahnbetrieb auf Grundlage eines mit Ihnen abzuschließenden Vertrages dient, unter der Voraussetzung, dass der Bau zum 1. Oktober des Jahres fertig ist. Zwecks Aufstellung des Vertrages wollen Sie sich im Laufe dieses Monats mit der Kleinbahnverwaltung in Verbindung setzen. Die Genehmigung für den Wirtschaftsbetrieb senden Sie rechtzeitig ein.

Das Kapitel Bahnhofsgebäude Puls konnte damit im Jahre 1920 endgültig zu den Akten gelegt werden.

Jahre später war die Bahnverwaltung gezwungen, einen neuen Warteraum auf dem Bahngelände zu errichten. Damit befasste sich die Gemeinde um 20. Dezember 1949, und Bürgermeister Holling stellte folgenden schriftlichen Antrag: Die Warteraumtür muss wieder angebracht werden. Besonders im Winter bietet der Raum ohne Tür einen ungenügenden Schutz. Außerdem fehlen innerhalb des Raumes die Sitzgelegenheiten gänzlich. Ältere und gehbehinderte Fahrgäste haben sich beklagt.

Bahnmeister Greve meldete am 7. Januar 1950 die Beendigung der Reparaturarbeiten. Es wurde eine Schiebetür angebracht. Für die Sitzgelegenheiten fehlten zu der Zeit die erforderlichen Bretter. Auch dieser Zustand wurde bald behoben. Leider kam schon am 29. Oktober 1954 das endgültige Aus.

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Wiebeke Kruse (* um 1605 in Puls; † 28. April 1648 in Kopenhagen) war eine Mätresse des dänischen Königs Christian IV. (Schreibweise des Namens in ihrer eigenen Unterschrift ist Wiebeke, im dänischen Sprachraum Vibeke)

Sie kam um 1625 an den dänischen Hof in die Dienste (wohl als Waschmagd) der Kirsten Munk, einer Tochter der Ellen Marsvin, einer einflussreichen Frau in Dänemark. Kirsten Munk war die zweite Ehefrau des dänischen Königs Christian IV. Zwölf Kinder entstammten dieser morganatischen Ehe.