Ein Treffpunkt für Leseratten

Mitteilungsblatt 01 07 2016 LB Bild1Seit 25 Jahren gibt es das Literaturbistro in Todenbüttel. Ein Anlass, der am 4. Juli gebührend gefeiert wird. Leseratten sind alle Teilnehmer. So wie Gerd Menzel und seine Lebensgefährtin Brigitte Bergner 

25 Jahre Literaturbistro in Todenbüttel wird am 4. Juli gefeiert/ lnitiatorin Kirsten Fehrs ist bei der Feier in der Dreieinigkeitskirche dabei

Das Programm ist umfang- und abwechslungsreich. „Arabische Märchen“ von Salim Alafenisch wurden ebenso vorgestellt wie „Wüstenblume“, die Biografie des Models Warisi Dirie. Ein Klassiker wie „Der Leopard“ von Lampedusa gehörte zum Programm, aber auch ein moderner Bestseller wie „Der Schwarm“ von Frank Schätzing. Seit 25 Jahren gibt es das Literaturbistro in Todenbüttel. Ein Anlass, der am Montag, 4. Juli, gebührend gefeiert wird.

Mitteilungsblatt 01 07 2016 LB Bild2„Eingeladen ist auch Kirsten Fehrs“, erzählt Gerd Menzel, der seit einigen Jahren die treibende Kraft der Veranstaltungsreihe ist - gemeinsam mit drei weiteren Ehrenamtlern (Christa Peters, Gudrun Meissner und Brigitte Bergner). Allerdings kommt die Kirsten Fehrs nicht als Bischöfin - sondern als Initiatorin. Die Idee der damalige Pastorin lautete: „' Einmal im Monat sollte jemand ein Buch vorstellen“. Anfangs trafen sich die Interessierten im sogenannten Blockhaus, jetzt ist das Haus im Kirchengrund der Treffpunkt der Gruppe - denn das Literaturbistro ist ein Angebot im Bereich der offenen Bildungsarbeit der Kirche.

Die Abende regen oftmals zum Buchkauf an

„Es sind meistens Leute aus den eigenen Reihen, die etwas vorstellen“, erklärt Gerd Menzel. Die Besuche von Schriftsteller Günter Kuhnert, dem Krimiautoren Harald Jacobsen oder der Schriftstellerin Stefanie Viereck waren Ausnahmen und Höhepunkte.

Begonnen wird der Abend meist damit, dass jemand - der im Vormonat „ausgeguckt“ wurde - einen kurzen Text vorstellt. Der kann fröhlich oder besinnlich oder ein Gedicht sein. „Die nächste Frage lautet: Wer hat innerhalb der vier Wochen etwas gelesen und möchte darüber erzählen“, erklärt Menzel. Da kann es dann vorkommen, dass jemand ein Buch gekauft hat, dass beim großen Onlinebuchhändler positiv besprochen wurde, nun aber rät: „Leute, ich kann euch nur sagen - macht das nicht. Das ist ja so was von langatmig.“

Aber natürlich gibt es auch positive Resonanz, genauso, wie die Buchvorstellungen die Teilnehmer - zwischen 15 und 25 Zuhörer sind es an einen Abend - oft zum Buchkauf anregen.

Denn: Leseratten sind die Teilnehmer alle. So wie Gerd Menzel und seine Lebensgefährtin Brigitte Bergner. Dass Menzel einmal ein Literaturbistro managen würde, sah sein Lebenslauf nicht vor. Er war kaufmännischer Angestellter in einer Firma, die Geräte für die Labormedizin herstellt und war, als er nach1997 nach 43 Jahren verabschiedet wurde, Leiter des Inlandsbetriebes. Aber gelesen hatte er schon immer gerne - eine wichtige Voraussetzung für die ehrenamtliche Aufgabe.

Mitteilungsblatt 01 07 2016 LB Bild4Mitteilungsblatt 01 07 2016 LB Bild3

Er muss manchmal schon „ein bisschen bohren“, um Vortragende zu gewinnen. Schließlich muss derjenige das Buch gelesen haben. Er beginnt seinen Vortrag dann mit der Vorstellung des Autors, trägt anschließend „den Inhalt vor, teilweise in den Worten des Autors, teilweise mit großen Seitensprüngen“. Dann wird wieder vorgelesen, „damit der Autor in seiner Schreibart auch zu Wort kommt“. In der Regel, so Menzel, werden die Bücher komplett vorgestellt, so dass man also auch den Ausgang kennt, „was ja bei einer Rezension nicht gemacht wird“.

Die Abende zweier Monate haben jedoch einen anderen Ablauf. Da ist zum einen der Dezember. Früher wurde bei Gebäck und Punsch eine Weihnachtsgeschichte gelesen. Als das einschlief, wurde die Geschichte durch eine Literaturverfilmung ersetzt - „möglichst von einem Buch, das wir in dem Jahr besprochen haben“. Dann fragt Menzel außer dem, wer sich im Januar am Rätsel-Bistro beteiligen möchte. „Sucht euch einen Text aus, etwa zehn Minuten lang, von dem ihr erwartet, dass ihn jemand kennen könnte“, fordert er. Sechs Personen bereiten sich vor, tragen eine Passage aus einem Buch vor und die anderen müssen Buchtitel und Autor erraten. Das sind dann zehn Minuten plus fünf Minuten „Nachschnack“ und schon sind anderthalb Stunden wie im Flug vergangen. „Wir haben jedes Mal viel Freude daran“, erzählt Menzel über das Rätsel, dass es seit 2005 gibt. Und zählt dann auf: „123 Buchvorstellungen, 44 Lebensbilder, fünf Literaturverfilmungen, 12 Zwölf Rätsel-Bistros mit über 70 angelesenen Büchern - das sind Zahlen, die sich niemand merken muss, aber sie sind beeindruckend und zeigen, welche Bedeutung unser Literaturbistro für die Kulturszene im Norden hat.“

Text und Bilder von Sabine Sopha aus dem Mitteilungsblatt vom 01. Juli 2016

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.