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Der 2. Weltkrieg

Von 1939 bis 1945 war wieder Krieg in Deutschland. Lehrer Karstens schrieb folgendes in die Schulchronik: Krieg! Die Wehrmacht ruft. Ich verlasse mit schwerem Herzen und großer Sorge meine geliebte Wirkungsstätte, meine Familie und mein Dorf und gehe in eine dunkle, schicksalsschwere Zukunft.

Erst 1942 schrieb man wieder etwas vom Krieg in die Schulchronik:

Am letzten Sonntag wurden hier 30 verwundete Soldaten von der Frauenschaft bewirtet. Nachmittags wurde in Ehlers' Gastwirtschaft gemeinsam Kaffee getrunken.

An der Ostfront wurden vier Pulser verwundet. Das Gemüse, welches geerntet wurde, musste an die Front abgeliefert werden. Das Vieh und Geflügel wurde gezählt, und man durfte ohne Genehmigung nicht einmal mehr Hühnersuppe von einer seiner Hennen kochen. (Wo in der Nacht der Schornstein rauchte wurde entweder „schwarz“ geschlachtet, oder es wurde Schnaps aus Rüben gebrannt.) Die Kupferdrähte der Lichtleitungen wurden von Soldaten abgenommen und abtransportiert.

Bis Ende Oktober 1942 waren acht Männer gefallen.

Juli 1943. Die Heuernte ist beendet, viele Bauern fahren schon Torf. Auto fährt nur noch Bäcker Stöver, weil er Todenbüttel und Oldenborstel mit Brot beliefern muss. In Puls sind 36 Kriegsgefangene, alles Franzosen. An Zivilarbeitern sind Polen und Ukrainer im Dorf.

lm Juni fielen die ersten Bomben auf Puls, im Juli wurde der Hof von Rohweder auf dem Pulser Damm in Schutt und Asche gelegt.

Die Versorgung wurde immer schlechter, der Bäcker bekam nur noch für eine Fahrt pro Woche Benzin für sein Auto, die andere Zeit wurde das Brot zu Fuß auf einem Bretterwagen in die Nachbargemeinden gebracht.

Am 3. März 1944 mittags fand über Puls eine Luftschlacht statt. Eine Brandbombe explodierte direkt vor dem Schulhaus.

13. Februar 1945: Aus Ostpreußen kamen 42 Flüchtlinge.

28. Februar 1945: In Puls wurden noch 21 Flüchtlinge mehr untergebracht.

Am 8. Mai 1945 ist der Krieg zu Ende. Deutschland hatte bedingungslos kapituliert. Englische Truppen kamen in Puls an, abends feierten sie ihren Sieg mit einem Feuerwerk.

Das Dorf war seit 1945/46 sehr stark mit Flüchtlingen belegt. Bei den Bauern wurden einzelne Zimmer beschlagnahmt, der Kampf um Wohnraum war ohne Ende und nahm oft erbitterte Formen an.

Die örtliche Wohnungskommission hatte eine sehr undankbare Aufgabe und stand oft vor nicht zu lösenden Problemen. Die Einwohnerzahl des Dorfes stieg von 450 vor dem Krieg auf 880 im Jahre 1949. Von 158 Kindern waren 90 Flüchtlingskinder.

Gegen Ende des Krieges wurde eine Volksküche eingerichtet, weil die meisten Flüchtlinge in ihren winzigen Behausungen keine Kochgelegenheiten hatten. Diese befand sich in dem Stallgebäude von Lene Trede, die Mutter von Auguste Greve, sie war es auch, die mit anderen Frauen als Hilfe den ganzen Tag hinterm Kochtopf stand, um alle satt zu bekommen. Damit jeden Tag etwas im Kochtopf war, mussten immer wieder neue Lebensmittel besorgt werden. Hausarbeit und Putzen wurden meistens in der Nacht erledigt.

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Nach Lene Trede bekam eine Straße später ihren Namen. Allerdings fand man, dass „Helenenstraße” besser klingt als „Lenenstraße”.

Da so viele Menschen Lebensmittel benötigten, wurden verschiedene Kleingartensiedlungen angelegt. Eine befand sich an den Dieken, eine auf dem Ringreiterplatz, eine auf dem alten Sportplatz und eine am Weg zu den Dieken, wo heute der neue Sportplatz ist.