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Ein Bauerndorf mit alter Tradition

Dieser Bericht erschien am 3. Dezember 1958 in der „Norddeutschen Rundschau”

Etwas abseits von den großen Verkehrsstraßen des Landes am nördlichen Rand unseres Verbreitungsgebietes liegt das Bauerndorf Puls.

In den letzten Jahren vor allem nach Stilllegung der Kleinbahn Schenefeld-Hohenwestedt sind die Straßen zu dem Dorf in einen einwandfreien Zustand gesetzt worden. Im Rahmen des Wirtschafts- Wegebaues hat man jetzt den Weg Pulser Damm einen Kilometer ausbauen können und ebenso den Weg nach Reher bis zur Ortsgrenze befestigen können.

Das Dorf hat rund 60 Höfe, wovon der größte 75 ha zählt. Über 500 Einwohner zählt die Gemeinde. Über 100 Menschen sind Heimatvertriebene und Evakuierte. Prähistorische Funde und Hünengräber zeugen von einem hohen Alter der Ortschaft. Dadurch, dass sie an der Pulser Au liegt, wird diese Mutmaßung noch unterstützt. Denn gerade an fließenden Gewässern wurden früher Ortschaften gegründet.

Der Gemeinderat, an der Spitze Bürgermeister Holling, hat in den letzten Jahren viel getan, um die Gemeindestraßen ebenfalls in einen guten Zustand zu versetzen. Überhaupt ist der Ort sehr bemüht, das dörfliche Gemeinschaftsleben zu fördern.

Die Schule ist durch vorgenommene Reparaturen in einem einwandfreien Zustand. Neue Toiletten sind gebaut worden. Die Wohnungen der beiden Lehrkräfte sind ebenfalls modernisiert worden. In jedem Sommer kommen während ihrer Semesterferien Studentinnen und Studenten nach Puls, um hier ihr Landschulpraktikum zu absolvieren. Direkt an die Schule grenzt ein von der Gemeinde zur Verfügung gestellter 1 ha großer Sportplatz. In eigener Arbeit hat man sich Sprunggruben und eine Laufbahn geschaffen. Überhaupt ist der Ort dem Sport sehr aufgeschlossen. 60 Prozent der Einwohner des Dorfes sind Mitglied des SV Puls. Die Schule hat durch intensive Breitenarbeit im Schulsport in den letzten Jahren immer den Wanderpokal der Schulen des Kirchspiels bei den Bundesjugendspielen gewinnen können.

Von den 1100 ha Gesamtfläche der Gemeinde sind nur 47 ha Wald. Dieser liegt in Richtung Osterstedt und Kammerhorst. Früher war der Ort Sitz eines Amtsbezirkes, dessen letzter Amtsvorsteher der verstorbene Bauer Detlef Holling 24 Jahre diesen Posten bekleidete. Der typische „alte Herr" war eine bekannte Persönlichkeit; jetzt gehört die Gemeinde zum Amt Schenefeld. Der Charakter des Ortes ist durch die Landwirtschaft bestimmt, doch durch die Mechanisierung und Rationalisierung ist auch hier in der letzten Zeit viel geschehen. Neben Getreide und Hackfruchtbau wurden in den letzten Jahren vermehrt Zuckerrüben angepflanzt. Daneben wird Viehzucht mit einer ausgedehnten Milchwirtschaft betrieben. Die Meierei ist neuzeitlich eingerichtet. Heute liefern allein die Pulser Bauern jährlich über eine Million Liter an. Bei der Gründung die zusammen mit Seefeld erfolgte, waren es 400000 Liter im Jahr. Überwiegend wird die „Rotbunte“ Kuh gehalten. Die Schweinezucht nimmt den üblichen Rahmen ein. Die in früheren Jahren in Puls hoch in der Blüte stehende Pferdezucht ist sehr zurückgegangen.

Fast alle Bauern sind Mitglieder im Bauernverband. Die Landjugend gehört zur Gruppe Schenefeld und ist sehr aktiv. Mancher alte Brauch hat sich im Ort erhalten. Zum Beispiel wird der sogenannte „Scheetküß”, das Abschiedsfest vom Junggesellenleben für die Freunde des zukünftigen Ehepaares, immer gefeiert. Das übrige kulturelle Leben hält sich im Rahmen der Gegebenheiten. lm Winter fährt ein Theaterring regelmäßig zu Vorstellungen der Landesbühne nach Rendsburg. Sonst sind das Feuerwehrfest, das Fest des Boßelvereins mit Hedwigessen, das nur für Verheiratete veranstaltet wird, der Ball des Sportvereins und das Kinderfest die Möglichkeiten für ein Treffen der Bevölkerung.

Die Verkehrslage ist seit dem Abbau der Kleinbahn durch Omnibusse befriedigend gelöst. Für Bahngüter wird der Bahnhof der Bundesbahn in Beringstedt in Anspruch genommen. Im Mittelpunkt des Ortes steht ein gepflegtes Denkmal für die Opfer der Kriege. Es handelt sich dabei um einen bearbeiteten Feldstein, der auf dem Acker des Bürgermeisters gefunden wurde. Verlässt man den Ort in Richtung Oldenborstel, so weisen Schilder auf der linken Seite auf zwei Kiesgruben hin. Seit der Stilllegung der Kleinbahn ist man in der Lage, dort sehr brauchbaren Kies abzubauen. Er wird von den Gruben vor allem für die Straßenbauten bis zu einer Entfernung von über 100 km abgefahren.

So ist dieser traditionsreiche Ort eng mit der heutigen Wirklichkeit verbunden und weiß diese erfolgreich zu gestalten.