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In der Jungsteinzeit: Ackerbau und Sesshaftigkeit

In der jüngeren Steinzeit (3000-1500 v. Chr.), und zwar in ihrem älteren und mittleren Abschnitt, treffen wir auf menschliche Spuren.

Es sind Großsteingräber, die sogenannten Megalithgräber, die überwiegend auf den Geschiebelehmflächen und auf der Altmoräne zu finden sind. Die ersten sesshaften Ackerbauern, welche im Sippenverband wirtschafteten, dokumentierten durch mächtige Steinanlagen für ihre Toten ihre Bodenständigkeit. Denn ganze Generationen der Familienverbände fanden im Laufe der Zeit in einer solchen Anlage die ewige Ruhe.

Die Sage hat sich die Entstehung dieser Monumente nicht anders als durch Riesenhand vorstellen können. In früherer Zeit sprach man daher von „Riesensteingräbern”. Auf der Pulser Feldmark standen solche Steinsetzungen. Sie sind längst dem Bau von Chausseen und steinernen Brücken zum Opfer gefallen.

Ein mächtiger Deckstein jedoch hat sich erhalten und einen weihevollen Platz gefunden: im Schenefelder Hohenzollernpark. Als im Jahre 1906 das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in der nördlichen Grünanlage errichtet wurde, transportierte man den größten Granitstein von einem Megalithgrab bei Puls zwischen zwei Rädergestellen nach Schenefeld.

Aufgerichtet war er dazu ausersehen, die Bronzerelieftafel mit dem Bildnis des Gründers des Deutschen Reiches zu tragen. Auch die anderen Findlinge dürften von der Feldmark in Puls gekommen sein. Der Metallschmuck musste im 2. Weltkrieg der Nachfrage nach Rohstoffen weichen. Den 5000 Jahre alten steinernen Zeugen konnte niemand etwas anhaben. Damit besitzt Schenefeld, wenn auch aus zweiter Hand, ein Erinnerungsstück an jene Zeit, als sich der Wandel vom Jäger-und-Sammler Stadium zur Sesshaftigkeit und zum Ackerbau vollzog.

Hier ein Beispiel für die Ausgliederung eines - borstel - Ortes von einem „dunklen” oder Kurznamen-Typ: Das höfereiche Puls gründete zu einem unbekannten Zeitpunkt, jedenfalls weit vor 1143 die „alte Bauerstelle” = Oldenborstel und Jahrhunderte später in der Waldung „Horst“ den Ausbau „Kammerhorst".

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Foto, dat. 1905, Hohenzollernpark. Die feierliche Errichtung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals. Die Findlinge stammen von einem Großsteingrab in Puls. Von Ernst Bull, der als kleiner Junge am linken Bildrand steht, wurden viele der abgebildeten Personen wiedererkannt und benannt. Anwesend bei der Feier waren u. a. Landwirt Ferdinand Amm (Marktstraße), Landwirt Cassuben (Holstenstraße), Postmeister Harmsen, Muller Stammer, Amtsvorsteher Stahl (im Vordergrund stehend), Heinrich Penje, Schmiedemeister August Schulz, Schneidermeister Heinrich Harders, Gastwirt Hans Timm, Gastwirt Kracht, Paul Koch, Bäckermeister Claus Harbs, Carl Carstens, Postbote Kröger (uniformiert) Hauptlehrer Ernst David (erhöht stehend), Landschaftsgärtner Gustav Peperkorn, August Rieken (Bürgermeister und Zimmermeister), Claus Freimann (Notschlachter, vollbärtig), Frau Lahann (mit Hund, Ehefrau des Arztes Dr. Lahann), Stellmachermeister Reinhold Kellner, Bauer Voss (Marktstraße), Tischlermeister Jakob Ingwersen.